Ostfriesischer Schlittschuhclub Leer e.V

Eis- und Inline-Speedskating

Aspekte zur Technik des Starts, des Laufens auf der Geraden und in der Kurve

Hier nur  90° Start: 

Vorbereitung:

      besonders wichtig ist eine gute mentale Vorbereitung und hohe Konzentration

  • Stelle den vorderen Schlittschuh (= Skate) so nahe wie möglich an die Startlinie (ca.45°    links o. rechts zur Laufrichtung.)
  • der hintere Skate steht fest auf der Innenkante der Kufe, 90° zur Bewegungsrichtung, ca. 70-80° zur imaginären Längsachse des Weges (Richtung Ziel), etwa eine Skatelänge vom vorderen Skate entfernt
  • der Fußknöchel ist etwas nach innen gekippt (sichererer Stand)
  • das Gewicht befindet sich zu über 50% auf dem hinteren Skate (besserer Abdruck)
  • die Körpervorderseite ist soweit wie möglich in Richtung  Ziel gewendet (weniger drehen oder verdrehen beim Start!
  • nach „ready“ Knie beugen; nur bei hoher Streckgeschwindigkeit (viel Schnellkraft) kleiner Kniewinkel (tiefer gehen), sonst größerer Kniewinkel (aufrechter stehen)
  • der Oberkörper ist leicht nach vorne gebeugt (gekippt), die Unterleibsmuskeln sind unter Spannung; damit ist das Becken nach hinten gekippt (Rundrücken)
  • der Blick ist nach vorne gerichtet, der Kopf nicht zu hoch
  • die Arme sind gebeugt, der hintere Arm befindet sich senkrecht über dem hinteren Skate, nicht auf/hinter dem Rücken wegen der folgenden zu großen Körperdrehung bei der ersten Bewegung

Start und Beschleunigung:

  • der vordere Skate wird schnell auf das Eis gestellt und gleitet nicht weg
  • das Knie des Spielbeines wird nach vorne geführt und der Skate unter dem Körperschwerpunkt aufgesetzt (abwechselnd rechts und links); bei den ersten Schritten (4-6 kleine) erfolgt eine enorme Außenrotation der sich streckenden Beine (etwa 50-60° zur Längsachse des Weges) und ein Abstoß gegen einen festen Punkt im Eis
  • aktives Hochheben der Knie ist dabei absolut notwendig, die Schritte ähneln einem Sprung
  • die Rumpfmuskulatur ist angespannt, die Unterleibsmuskulatur fixiert Oberkörper und Becken
  • der Armschwung geht der Bewegung voran und bestimmt den Rhythmus, die Bewegungsrichtung der Arme ist dabei immer mehr nach vorne orientiert 
  • danach erst erfolgt weitere 6-8 Schritte ein Gleitabdruck zur Seite; dann muss die Skating-Haltung der Geraden  erreicht sein

 

                                      Laufen auf der Geraden:

Haltung:

  • während der Gleitphase ist der Körperschwerpunkt immer mehr auf dem hinteren Ende des Skates
  • das Becken ist nach hinten gekippt; hierdurch entsteht ein Rundrücken
  • der Rumpf ist so horizontal wie möglich (geringerer Luftwiderstand)
  • der Kopf darf nicht zu hoch sein: durch die “Augenbrauen“ schauen (sonst gerader Rücken)
  • die Knie sind optimal gebeugt (je kleiner der Abdruckwinkel, desto kleiner der Kniewinkel, desto effizienter die Bewegung, möglicherweise jedoch uneffektiver, wenn man nicht durchhält – da höherer Haltekraftaufwand)

Gleitphase:

  • nicht zu sehr auf der Außenkante aufsetzen, sonst geht die Gleitbewegung zu sehr zur Seite
  • Körperschwerpunkt möglichst schnell über den Skate bringen (= weniger Gleitreibung)
  • die Hüfte bleibt über dem Gleitskate
  • der Rumpf zeigt nach vorne in Laufrichtung
  • Fußknöchel (nicht kippen), Knie (nicht nach innen)  und Hüftgelenk (keine Oberschenkel-adduktion) in einer Linie
  • am Ende der Gleitphase bewegt sich der Skate leicht einwärts
  • möglichst wenig Bewegung im Oberkörper/Rumpf; wenig “schwingen“ (Spielbein nicht hinters Standbein kreuzen)

Abstoß:

  • während der Gleitphase das „Spielbein“ aktiv ans Gleitbein heranführen (kurzer Weg), dann Bewegung verlangsamen
  • Knie möglichst nahe zusammenbringen
  • “seitwärts fallen“ bereitet den nächsten Abstoß vor
  • Spielbein unbelastet aufs Eis aufsetzen, damit mehr Abstoßkraft
  • das Gewicht bleibt so lange wie möglich auf dem Abstoßbein
  • der Abstoß erfolgt senkrecht (d.h. rechtwinkelig) zur Gleitrichtung
  • mit Klappskates volle Streckung, in der Endphase der Streckung explosivartig; möglichst kleiner Abstoßwinkel, dabei das Gleitbeinknie soweit wie möglich nach vorne strecken
  • die Hüfte bleibt auf der gleichen Höhe

Armhaltung:                                                                                    

Armbewegungen unterstützen den Rhythmus und helfen das Gleichgewicht zu halten, sie erhöhen nicht die Geschwindigkeit, da der gleiche Impuls sowohl nach vorne als auch nach hinten wirkt

  • Arme liegen auf längeren Strecken locker auf dem Rücken, Ellenbogen eng am Körper, Handflächen nach oben, linke Hand um das rechte Handgelenk, Daumen nahe zusammen (weniger Luftverwirbelung)
  • sonst von leicht seitwärts hinter dem Körper (nicht hinterm Rücken, keine einwärts gedrehte Hand, Daumen nach unten) mit geradem Pendel zu einer zentralen Position vorne (nicht über den Kopf hinaus, Arm gebeugt)
    •  

      Kurventechnik

a) Übergang zur Kurve

  • vor Eintritt in die Kurve optimale Geschwindigkeit (so hoch wie möglich), je höher die Endgeschwindigkeit auf der Geraden, desto höher die Endgeschwindigkeit in der Kurve
  • Einleitung des Übergangs: rechter Skate gerade nach vorne gerichtet (nicht die kleinste Abweichung nach außen),  wodurch der Druck gegen das Eis solange wie möglich aufrechterhalten werden kann.
  • Gleichzeitig wird durch eine Fallbewegung und der folgenden Streckung des rechten Beines die Hüfte und damit der Körperschwerpunkt nach links zum Mittelpunkt der Kurve gebracht
  • in der Außenkurve nach dem Wechselbereich auf die Kurvenmarkierung (blokjes) zulaufen, rechter Skate knapp außerhalb der Markierung; kurz danach ist Platz für den linken Skate

b) Laufen in der Kurve 

Haltung:

  • der Rumpf ist so waagerecht wie möglich (Luftwiderstand)
  • der Kopf ist nicht so hoch, schaue durch die Augenbrauen (Rückenreflex)
  • die Richtung des Kopfes bestimmt ansatzweise die beabsichtigte Route
  • das Becken bleibt nach hinten gekippt
  • die linke Hüfte bleibt zum Kurvenmittelpunkt geneigt (etwas tiefer als rechts), die linke Schulter hängt leicht

Abstoß:

Halte die Anzahl der Schritte gering bei möglichst hoher Abdruckkraft!!!

  • sofort nach dem Aufsetzen des Skates muss mit dem Abstoß begonnen werden
  • die Geschwindigkeit soll weiter erhöht werden, vornehmlich durch Erhöhung der Abstoßkraft
  • das Knie/Bein wird nicht vollständig gestreckt (dann schwierig, den nächsten Schritt zu positionieren)
  • der Abstoß wird explosivartig “zur Seite“ ausgeführt
  • das linke Bein wird nach dem Abstoß aktiv zurückgeholt bzw. das rechte Bein aktiv vor das linke Bein gestellt; hierdurch wird die Kraft/Streckkraft des anderen Beines verbessert
  • bei hoher Geschwindigkeit folgt der Skater auf der  Innenbahn einer Kurve mit sich verkürzendem Radius (Beginn weiter außen mit zunehmender Annäherung zur Innenmark., am Ende Projektion innerhalb der Innenmark.)

Armhaltung:

In der Kurve immer mit Einsatz des rechten Armes laufen

  • der rechte Arm wird dabei von leicht seitlich hinter dem Rumpf (bei hoher Bewegungs- frequenz ist der Arm leicht gebeugt, bei niedriger Frequenz mehr gestreckt; Daumen zeigt nach unten) zu einer zentralen Position nach vorne geführt (Arm gebeugt, Ellenbogen zeigt nach vorne, Schulter nicht bewegen)
  • der linke Arm wird nur evtl. auf der Sprintstrecke bewegt; dann jedoch nur sehr eingeschränkt mit gebeugtem Arm

Verlassen der Kurve:

  • der letzte Schritt aus der Kurve wird lang nach vorne ausgeführt mit deutlicher, ebenfalls nach vorne gerichteter Unterstützung des rechten Armes; hierbei wird die Hüfte zur Verminderung der Inklination (Neigung des Körpers) etwas nach außen geschoben

                                    

Allgemeines zur Kurve

Die Schrittfrequenz in der Kurve kann nicht frei gewählt werden, denn es gibt eine Beziehung  zwischen Abdruckarbeit,  Schrittfrequenz, Geschwindigkeit und Kurvenradius. Je nach Leistungsstand ist für jeden Skater die Abdruckkraft mehr oder weniger gegeben gleich und der Radius vorgegeben. Die Abdruckkraft bestimmt den Ablenkungswinkel nach links in die Kurve. Bei gleichem Kraftaufwand wird dieser Winkel jedoch kleiner, je höher die Geschwindigkeit ist. Deshalb müssen bei höherer Geschwindigkeit (bei gleichem Abdruck) mehr Schritte in der Kurve gemacht werden (beträgt der Ablenkungswinkel z.B. 18° ((12°)), so sind 10 ((15)) Schritte zur Bewältigung der 180°-Kurve notwendig). Damit wird die Schrittfrequenz durch die Geschwindigkeit vorgegeben.

Ist die Frequenz zu gering, beschreibt der Körper einen größeren Kurvenradius und „man fliegt aus der Kurve“. Durch die Geschwindigkeit wird der Skater in der Kurve zu einer bestimmten Leistung (L = Kraft x Frequenz) gezwungen!!

Eine geringe Eingangsgeschwindigkeit führt (insbes. bei den höheren  Reibungsverlusten in der Außenkurve) zur Verlangsamung und der Fast-Unfähigkeit zur Beschleunigung.

 

Konsequenzen:

bei zu hoher Geschwindigkeit:

  • aggressiv mehr in der Kurve hängen erhöht die Effektivität (absolut notwendig hierfür  scharfgeschliffene Skates)
  • ein klein wenig  aufrechter laufen und weniger explosiv (damit weniger effektiv) abdrücken; hierdurch kann die Schrittfrequenz erhöht werden und man kann der Kurve mit weniger Leistung folgen
  • von vornherein einen größeren Radius wählen; wie z.B. auf der Außenbahn (s. unten a)
  • die Skates in Richtung Kurve drücken (schwierig, mitgebogenen Skates möglich)

bei zu geringer Geschwindigkeit:

  • Beschleunigung vor der letzten Kurve (insbes. Außenkurve); (eine Beschleunigung in der Kurve durch Erhöhung der Frequenz führt zu einer Verschlechterung der Technik)
  • einen kleineren Radius wählen (siehe unten b)

Es kann nicht genügend betont werden, dass eine Verbesserung der Kurventechnik nur möglich ist über eine Erhöhung der Abdruckarbeit!!